Lerntheorie Hund Teil 1:

Wann lernt ein Hund?

Lernen findet ein ganzes Leben lang immer und überall statt, sogar im Schlaf wird das erlebte verarbeitet und abgespeichert.
Beim Hund gibt es im Welpenalter von ca. 4 Wochen bis höchstens 16 Wochen eine Prägungs-/ Sozialisationsphase. Alles was der Welpe in dieser Zeitspanne erlebt (positiv wie negativ) wird tief liegend abgespeichert und bleibt ein Leben lang in seinem Gedächtnis verankert.

Wie lernt der Hund?

Lernen kann ganz unterschiedliche emotionale, kognitive und physische Bereiche betreffen, es können mehrere Lernprozesse gleichtzeitig bewusst oder unbewusst ablaufen.

Hier mal ein Überblick über die wichtigsten Lerntheorien:

  • Klassische Konditionierung:
    Bei der klassischen Konditonierung wird ein neutraler Reiz z. B. ein Geräusch mit einem unkonditonierten Reiz z. B. Futter verknüpft. Der Hund lernt, wenn genau dieses Geräusch erklingt, gibt es Futter und fängt bereits alleine beim Geräusch an zu speicheln. Das Geräusch wird dadurch zu einem konditionierten Reiz und löst einen Reflex (speicheln) beim Hund aus. Da Reflexe automatisch und unbewusst ablaufen, speichelt der Hund bei dem dem Geräusch, auch wenn kein Futter vorhanden ist. Die klassische Konditonierung funktioniert bei positiven, wie auch negativen Emotionen und kann daher auch bedeuten, dass anstelle des Speichelns reflexartig mit Panik oder Aggression reagiert wird.
  • Operante Konditonierung: Bewusstes Lernen durch Erfolg
    Dabei lernt der Hund anhand der Konsequenzen (positive wie negative) die auf sein Verhalten folgen. Hier zu gibt es 4 Varianten:
  1. Positive Verstärkung:
    Ein vom Hund gezeigtes Verhalten wie z. B. Pfötchen geben, folgt eine angenehme Konsequenz z.B. Lob und Futter. Das Verhalten lohnt sich für den Hund und er wird es wieder zeigen.
  2. Negative Verstärkung:
    Ein erwünschtes Verhalten z.B. Platz wird gezeigt um etwas Unangenehmes zu vermeiden z.B. Druck nach unten am Halsband.
  3. Positive Strafe:
    Das Verhalten löst eine negative Konsequenz aus und wird daher weniger oft gezeigt. z. B. wir der Hund ausgeschimpft, wenn er zur Begrüssung am Menschen hochspringt.
  4. negative Strafe:
    Auf das Verhalten wird etwas Angenehmes entfernt. Das Verhalten lohnt sich nicht für den Hund und wird weniger gezeigt. Z. B. der Hund wird beim spielen mit dem Menschen zu grob, das Spiel wird daraufhin abgebrochen.

Wichtig bei allen 4. Varianten ist. Dass die Konsequenz immer schnell erfolgt, damit dies der Hund auch mit seinem Verhalten verknüpfen kann.

Die Begriffe positiv und negativ sind im Bezug auf diese Theorie rein mathematische Begriffe und bedeuten nichts anderes als das Hinzufügen (positiv, +) und Wegnehmen (negativ, -) von angenehmen oder unangenehmen Dingen.

Merke: Lernen geht mit Emotionen einher, positive Emotionen lösen mehr Motivation aus zum Lernen, als negative (wie Angst, Stress, Frust.) und sind daher effektiver.

  • Habituation: Lernen durch Gewöhnung
    Das heisst, der Hund gewöhnt sich an einen bestimmten Reiz z.B. Staubsauger, dass Gehirn hat festgestellt, das der Reiz keine Gefahr oder anderes erbringt und daher auch keine Reaktion mehr erfordert.
  • Sensitivierung:
    Ist genau das Gegenteil von der Habituation, der Hund reagiert immer wie stärker auf den Reiz, anstelle sich daran zu gewöhnen. Grund dafür der Reiz z. B. Staubsauger löst starke Emotionen von Angst und Panik aus, der Hund reagiert zukünftig stärker auf den Reiz. Gezieltes Training mit Trainer ist anzuraten.
    Habituation und Sensitivierung gehen oft Hand in Hand, so das der Hund zu Beginn erst stärker auf den Reiz reagiert, bis er sich daran gewöhnt. Der Hund lernt bei beiden unbewusst.
  • Lernen durch Nachahmung:
    Hunde lernen durch Beobachten und Nachahmen von anderen Hunden aber auch Menschen. Voraussetzung dafür sind wie bei uns Menschen Spiegelneuronen im Gehirn.
  • Kontextbezogenes Lernen und in Bilder:
    Der Hund lernt vorwiegend in Bilder und bezieht Umweltreize mit ein. Z. B. der Hund beobachtet ein Reh und jagt diesem hinterher, dabei kommt er an einen Stromzaun. Der Hund verknüpft das Bild Reh mit Schmerzen und hat zukünftig Angst vor Rehen oder er verknüpft den Rückruf seines Herrchens, der dummerweise genau in dem Moment mit dem Zusammentreffen des Stromzaunes erfolgt mit Schmerzen. Dies funktioniert auch mit positiven Emotionen und Verknüpfungen.
  • Generalisierung:
    Hunde generalisieren aus Instinkt heraus gerne alles sehr schnell, vor allem Erlebnisse, welche mit Angst und Schmerzen einhergehen. (dient dem Überleben). Z. B. ein Hund wird beim Spaziergang von einem Mann mit Wanderstöcken verscheucht und kriegt dabei einen Schlag mit ab, es kann gut sein, dass er zukünftig erstmal auf alle Personen mit Wanderstöcken ängstlich/ oder aggressiv reagiert.
  • Stress und Angst verhindern erfolgreiches Lernen:
    Bei zu viel negativen Emotionen wie, Angst, Stress und Frust schaltet der Körper in einen Notzustand und ein bewusstes Handeln ist nicht mehr möglich. Verhalten und Reaktionen werden nur noch instinktiv/ reflexartig ausgelöst.
  • Pausen und Ruhezeiten sind wichtig:
    Beim Ruhen und Schlafen wird das Gelernte nochmals verarbeitet und abgespeichert.