Wie wende ich die Theorie jetzt am besten fürs Training und im Alltag an?
Wir haben ja gelernt, dass unsere Hunde ein Leben lang immer und überall lernen, das heisst, dass wir uns bewusst sein sollten, dass Lernen nicht auf regelmässige Unterrichtsstunden oder Trainingseinheiten begrenzt ist, sondern der grösste Teil im Alltag stattfindet und wir daher vor allem an diesem bewusst Arbeiten müssen, um langfristig Erfolg haben zu können.
Ausserdem Wissen wir, dass es beim Welpen eine Sozialisationsphase gibt und sollten diese daher bewusst nutzen um dem Hund möglichst spielerisch viele positive Lernerfahrungen zu ermöglichen. Wobei der Fokus vor allem auf das kennenlernen der Aussenwelt und viele verschiedenen Situationen liegen sollte, ohne dabei den Welpen zu überfordern.

Im weiteren Wissen wir, dass der Hund einfacher über positiv verknüpfte Emotion lernt als negative, wir daher am besten mit positiver Verstärkung (Lob, Futter oder anderer Belohnung) arbeiten. Strafen und negative Emotionen eher vermeiden sollten und das Training möglichst immer mit etwas Positivem beenden. Auch die Umgebung sollten wir beachten, vor allem für neue Übungen ein möglichst reizarmer Ort aussuchen, wo sich der Hund sicher und wohl fühlt, z. B. Das Wohnzimmer und erst danach Schritt für Schritt weitere Aussenreize… einbauen. Angst und Stress wirken sich hemmend aufs Lernen aus und sind daher zu vermeiden. Klare Grenzen, Signale, bekannte Orte und Wiederholungen geben dem Hund Sicherheit.
Der Hund lernt viel über Bilder und Wiederholungen, desshalb sollten wir unser Training kleinschrittig mit vielen Wiederholungen und klar zu unterscheidenden Signalen aufbauen. Wobei unsere Körpersprache oft als vorrangiges Signal vom Hund angesehen wird und erst im späteren Verlauf mit der Konditionierung auf ein akustisches Signal (Wort, Pfeifen…) Reagiert. Wir sollten daher auch immer an unsere Körpersprache denken evtl. mal vor dem Spiegel trainieren und uns optimalerweise zuerst ein Handzeichen/körperliches Signal und erst anschliessend ein Wortkommando für den Hund ausdenken. Um eine optimales Lernergebnis zu erreichen, ist es wichtig, auf genügend Pausen, Entspannung und Ruhezeiten zu achten, damit der Hund das gelernt auch verarbeiten und längerfristig abspeichern kann. Bei meinem Hund Orbit ist es z. B. immer wieder faszinierend zu beobachten, dass wenn er einen neuen Trick lernt und das Grundprinzip des Tricks begriffen hat, diesen jedoch noch nicht komplett ausführen kann und ich ihm anschliessend 2-3 Tage, manchmal sogar eine Woche Zeit zum Verarbeiten gebe und erst danach den Trick wieder Abfrage, er diesen meistens einfach komplett kann.



