Lerntheorie Teil 2

Wie wende ich die Theorie jetzt am besten fürs Training und im Alltag an?

Wir haben ja gelernt, dass unsere Hunde ein Leben lang immer und überall lernen, das heisst, dass wir uns bewusst sein sollten, dass Lernen nicht auf regelmässige Unterrichtsstunden oder Trainingseinheiten begrenzt ist, sondern der grösste Teil im Alltag stattfindet und wir daher vor allem an diesem bewusst Arbeiten müssen, um langfristig Erfolg haben zu können.

Ausserdem Wissen wir, dass es beim Welpen eine Sozialisationsphase gibt und sollten diese daher bewusst nutzen um dem Hund möglichst spielerisch viele positive Lernerfahrungen zu ermöglichen. Wobei der Fokus vor allem auf das kennenlernen der Aussenwelt und viele verschiedenen Situationen liegen sollte, ohne dabei den Welpen zu überfordern.

Im weiteren Wissen wir, dass der Hund einfacher über positiv verknüpfte Emotion lernt als negative, wir daher am besten mit positiver Verstärkung (Lob, Futter oder anderer Belohnung) arbeiten. Strafen und negative Emotionen eher vermeiden sollten und das Training möglichst immer mit etwas Positivem beenden. Auch die Umgebung sollten wir beachten, vor allem für neue Übungen ein möglichst reizarmer Ort aussuchen, wo sich der Hund sicher und wohl fühlt, z. B. Das Wohnzimmer und erst danach Schritt für Schritt weitere Aussenreize… einbauen. Angst und Stress wirken sich hemmend aufs Lernen aus und sind daher zu vermeiden. Klare Grenzen, Signale, bekannte Orte und Wiederholungen geben dem Hund Sicherheit.

Der Hund lernt viel über Bilder und Wiederholungen, desshalb sollten wir unser Training kleinschrittig mit vielen Wiederholungen und klar zu unterscheidenden Signalen aufbauen. Wobei unsere Körpersprache oft als vorrangiges Signal vom Hund angesehen wird und erst im späteren Verlauf mit der Konditionierung auf ein akustisches Signal (Wort, Pfeifen…) Reagiert. Wir sollten daher auch immer an unsere Körpersprache denken evtl. mal vor dem Spiegel trainieren und uns optimalerweise zuerst ein Handzeichen/körperliches Signal und erst anschliessend ein Wortkommando für den Hund ausdenken. Um eine optimales Lernergebnis zu erreichen, ist es wichtig, auf genügend Pausen, Entspannung und Ruhezeiten zu achten, damit der Hund das gelernt auch verarbeiten und längerfristig abspeichern kann. Bei meinem Hund Orbit ist es z. B. immer wieder faszinierend zu beobachten, dass wenn er einen neuen Trick lernt und das Grundprinzip des Tricks begriffen hat, diesen jedoch noch nicht komplett ausführen kann und ich ihm anschliessend 2-3 Tage, manchmal sogar eine Woche Zeit zum Verarbeiten gebe und erst danach den Trick wieder Abfrage, er diesen meistens einfach komplett kann.

Warum ist ein Warm-up auch beim Hund wichtig?

Ein warm Up aktiviert die Durchblutung, kurbelt den Kreislauf an, Gelenke und Bänder werden, warm und beweglich. Die Konzentration-, Koordination-und Reaktionsfähigkeit werden angeregt. Der Körper wird optimal auf die bevorstehende Aktivität vorbereitet und ist dadurch von Anfang an Leistungsfähiger und vor allem weniger anfällig für Verletzungen.

Wann Macht ein Warm-up sinn?

  • Beim Hundesport (Friesbi, Agility, Dog-Dance…)
  • Alle Aktivitäten mit abrupten Stopps und Wendungen (z.B. vor dem herumtoben mit anderen Hunden, Ball werfen …)
  • Beim Joggen oder Velofahren mit dem Hund
  • Bei kalten Temperaturen
  • Bei alten Hunde/ oder Hunden mit Arthrose (vor allem nach längerer Liegezeit, kann ein sanftes aufwärmen mit aktivierender Massage, leichte Dehnungen und langsames Einlaufen schmerzlindernd sein.
  • Zur Einstimmung und Aktivierung von Konzentration. (z.B. zur Vorbereitung von Such- und Nasenarbeit.)

Wie sieht ein gutes Warm-up aus?

Ein Warm-up dauert je nach Temperatur und bevorstehender Belastung zwischen 10- 20min und beinhaltet idealerweise alle bevorstehende Bewegungsabläufe aber auf ein langsames Tempo und nur leichte Anstrengung heruntergebrochen.

Hier Mal ein paar Beispiele an Warm-up Übungen

  • Warm laufen (langsames Gehen bis hin zu einem leichten Trab).
  • Aktivierende Massagen
  • Passives durchbewegen der einzelnen Gelenke.
  • Aufwärmen der Pfoten und einzelnen Zehen. Pfötchengeben/Pfotenpull und durchbewegen der Pfote und einzelnen Zehen. (Wichtig, dies wird oft Vergessen, Verletzungen an Zehen und Pfoten kommen häufig vor.)
  • Dehnübungen
  • Slalom
  • Kreiseln
  • Tempowechsel
  • Seitwärts
  • Rückwärts
  • Cavaletti
  • mini Sprünge
  • Leckerli werfen

Hundefitness auf dem Spaziergang

Es gibt viele Übungen, welche sich super in den täglichen Spaziergang integrieren lassen um seinen Hund gesund und fit zuhalten. Wichtig dabei ist, dass man auch da den Kopf einschaltet und an: Warm-up, Cole-down, Ruhezeiten, Pausen, rutschfester Untergrund, Erschöpfungs, – Schmerzzeichen und den aktuellen Trainingsstand denkt.
Wen man die Augen offen hält, findet man auf dem Spaziergang viele natürliche (Trainingsgeräte). Hier mal ein paar Beispiele: Bergauf (desto schneller umso anstrengender) Bergab (langsam ist anstrengender), über Baumstämme balancieren, klettern, ein Elefantentrick auf einem Baumstrunk, rückwärts-, seitwärts gehen, verschieden Untergründe, Wurzelweg oder durchs leichte Unterholz, Sitz-Steh Übungen, Dehnübungen, auf einer Mauer balancieren, springen oder unter einem Ast durch kriechen.
Auch Joggen oder Velofahren kann ein gutes Training sein, wichtig dabei ist, auf einen eher weichen Untergrund (Naturböden) zu achten, der Hund sollte in einem lockeren Trab laufen können und gerade beim Velofahren muss auf die Erschöpfungszeichen geachtet werden.

Hier Mal ein Beispiel wie ein Trainingsspaziergang aussehen kann, darf gerne ausprobiert werden.

  • Start 200m spazieren.
  • Pfotenpull mit Tannenzapfen/ Pfötchengeben.
  • 200m spazieren.
  • Elefantentrick auf einem Baumstrunk oder grossen Stein.
    -100m spazieren.
    -Sitz- Steh- Sitz Übungen (auf ein gerades und gleichmässiges Sitz achten).
  • 100m spazieren-
  • Rückwärts gehen.
  • 100m spazieren.
  • Kurzer Sprint bergauf (mit Hund mit Rennen oder Warten lassen und bergauf abrufen).
  • 100m spazieren.
  • Seitwärts.
  • 100m spazieren.
  • über einen Baumstamm balancieren.
  • 100m spazieren.
  • Hochstehen am Baum (In den etwas gröberen Baumrinde lassen sich super Leckerlis verstecken).
  • 100m spazieren
  • über Wurzeln oder Äste laufen lassen.
  • 200m spazieren.
  • Dehnübung.
  • 200m spazieren.
  • Dehnübung.
  • 200m spazieren am Ziel.

Hundefitness, wie oft sollte ich trainieren?

Das kommt ganz auf das Trainingsziel und auf das Hunde-Menschteam drauf an.

Möchte ich bei einem alten Hund den Muskelstatus und die Beweglichkeit möglichst lange erhalten. Macht es mehr Sinn mehrmals täglich kleine leichte Übungen einzubauen anstelle eines 1-2x wöchentlichen grossen Training. Ich glaube, jeder der schon einmal einen alten Hund hatte, kennt es, dass der Hund nach einer längeren Ruhephase sich schwertut aufzustehen, steif ist oder zum Teil sogar hinkt. Auf dem Spaziergang wird es nach 5-10 Min besser, er läuft sich ein, die Gelenke, Muskulatur … werden warm, die Synovia wird flüssiger. Für diese Hunde ist es angenehmer und auch schmerzlindernd, denn ganzen Tag über immer wieder kleine Übungen einzubauen, um die Ruhepausen ohne Bewegung nicht zulange werden zu lassen.

Möchte ich zum Plausch und zur Gesundheitsförderung ein wenig Hundefitness machen. Können viele Übungen auf dem Spaziergang eingebaut werden oder 1x pro Woche ein richtiges Training.

Möchte ich bei einem gesunden Hund effektiv Muskulatur aufbauen. Machen 2-3 Trainingseinheiten pro Woche Sinn. Wichtig ist, darauf zu achten, genug Pausen und Erholungsphasen einzubauen. Denn der Muskel wächst in der Ruhezeit, Übertraining führt zu Muskelabbau und ist gesundheitsschädigend. Nach einem Anstrengenden Training sollte der Hund eine Pause von 24-48 Stunden haben. Ausser es werden verschiedenen Muskelgruppen trainiert, dann kann die Pause zwischen den Trainingseinheiten auch kürzer ausfallen. Zum Beispiel Montag: Training der Vorderhandmuskulatur, Dienstag Joggen und Mittwoch Training der Hinterhand. 1-2 Ruhetage pro Woche würde ich immer einbauen, damit der Körper sich richtig regenerieren kann. Wer über sich hinauswachsen will, der muss an seine Grenzen gehen. Das gilt auch für die Muskulatur und bedeutet, dass ein gutes Training für den Hund auch anstrengend sein darf, sogar soll, wir aber gleichzeitig darauf achten müssen, ihn nicht zu überfordern. Die Hunde wollen uns gefallen, wer schwäche zeigt, wird in der Natur nicht lange überleben. Weshalb sie ihre Erschöpfung oft gut verstecken. Umso wichtiger ist es, unsere Hunde gut zu kennen, um Ermüdungszeichen oder auch Schmerzeichen rechtzeitig erkennen zu können. (Wer dazu mehr wissen möchte, kann gerne meinen letzten Blogbeitrag dazu lesen).

Läuft der Hund im Hundesport und die Hundefitness wird zur Gesundheitserhaltung und Leistungssteigerung betrieben. Kommt es stark darauf an, was und wie oft bereits trainiert wird. Wichtig dabei ist es, immer zu überlegen, welche Fähigkeiten, welche Muskeln braucht es und welcher Belastung ist der Hund ausgesetzt. Um daraus einen geeigneten Trainingsplan auszuarbeiten, damit das volle Leistungspotenzial des Hundes ausgeschöpft wird, ohne dass, es auf die Kosten seiner Gesundheit geht.

Fazit: Wie oft trainiert wird, ist sehr individuelle und hängt von vielen Faktoren ab. Daher Gehirn einschalten beim Trainieren. Gutes Training kann einen Hund lange gesund und fit halten aber zu wenig Bewegung, falsche Bewegung oder Übertraining können genau das Gegenteil bewirken.

Arthrose

Was ist Arthrose:

Arthrose ist eine degenerative Erkrankung des Gelenkknorpels und der Gelenke. Bei der Arthrose entsteht eine Schädigung/ Abnutzung des Gelenkknorpels. Die Hauptaufgabe des Gelenkknorpels ist, die Stossdämpfung und ein reibungsloses Gleiten der im Gelenkbeteiligten Knochen. Kann der Gelenkknorpel dies nicht mehr leisten, einstehen Schmerzhafte, entzündliche Abnutzungen des Gelenkes und daran beteiligten Knochen. Um den fehlenden Knorpel und damit entstanden grösseren Druck zu überbrücken bilden die Knochen Zubildungen aus, welche dazu führen, dass das Gelenk in seinem Bewegungsradius eingeschränkt wird. Durch die Schonung und Entlastung des betroffenen Gelenkes kann wiederum eine Überbelastung an anderen Stellen des Bewegungsapparates entstehen. Arthrose kann theoretisch jedes Gelenk betreffen.. Beim Hund ist es jedoch Häufig das Ellbogen- oder Hüftgelenk. Beim Pferd betrifft die Arthrose häufig das Hufgelenk, Krongelenk, Karpalgelenk und Sprunggelenk.

Ursache von Arthrose:

  • Übergewicht und mangelnde Bewegung, was zu Überbelastung der Gelenke und Unterernährung des Gelenkknorpels führen kann
  • Überbelastung der einzelne Gelenke durch zu frühes, zu schweres oder falsches Training
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Ernährung, Mangeln an Gelenk und Knorpel aufbauenden Substanzen
  • Wachstumsstörungen
  • Erblich, Angeborene Gelenkfehlstellungen z. B. HD. Beim Hund
  • Verletzungen können zu Knochenzubildungen oder Gelenkfehlstellung führen. Oder durch die Schonhaltung kann eine Überlastung an einem andern Gelenk erstehen.
  • Abnützung der Gelenke durch altern

Arthrose vorbeugen:

Es gibt keine Massnahmen die Arthrose vollständig verhindert, jedoch können vorbeugende Massnahmen getroffen werden.

  • Nicht zu frühes, zu viel oder falsches Training (Pferde nicht zu früh einreiten oder mit zu viel Reitergewicht reiten .) (Welpen und Junghunde keine grossen Sprünge, weite Wanderungen oder regelmässige Hundesportarten wie Agility trainieren lassen, solange sich der Hund im Wachstum befindet.)
  • Bei Hunden das Spielen auf glatten Böden vermeiden, mit Welpen kontrolliert möglichst wenig Treppenlaufen und viele Sprünge vermeiden (nicht aus/oder ins Auto springen lassen, sondern heben, oder Rampe benutzen.)
  • Übergewicht vermeiden und für genügend natürliche Bewegung sorgen. (Bei Reitpferden genügend Muskulatur aufbauen, damit sie das Reitergewicht ohne Schaden tragen können.)
  • Eine Natürliche und Ausgewogene Ernährung
  • Erbkrankheiten durch Zuchtausschluss reduzieren

Symptome:

Arthrose entwickelt sich oft langsam und schleichend

  • Verdickung des Gelenkes
  • Schmerzende Stellen
  • Probleme beim Aufstehen und Hinlegen
  • Bewegungsdrang lässt nach, Bewegungsunlust
  • Das Tier lahmt, Schonhaltungen häufig nach längerer oder grösserer Anstrengung
  • Das Tier sucht häufig warme und weiche Untergründe auf
  • Anlaufschmerzen
  • Meistens sind die Schmerzen am Morgen nach dem schlafen schlimmer als am Abend
  • Steifigkeit

Therapiemöglichkeiten:

Arthrose ist nicht heilbar, es gibt jedoch viele Möglichkeiten um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und im besten Falle zu Stoppen. Das Haupttherapieziel bei Arthrose ist die Schmerzen zu lindern und dem Patienten ein möglichst unbeschwertes Leben zu ermöglichen.

  • Medikamente: Schmerzmittel und Entzündungshemmer
  • Eine Gesunde Ernährung
  • Nahrungsergänzung mit Knorpel und Gelenkaufbauenden Substanzen wie Grünlippenmuschelextrakt, Omega 3- Fettsäuren, Navita Kräutermischung 6…
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht
  • Physiotherapie zur Unterstützung und Erhalt der Muskulatur und Beweglichkeit des Gelenkes, um Überbelastung infolge einer Schonhaltung zu minimieren, am Tier angepasstes gesundheitsförderndes Training zu entwickeln, passives durch bewegen der Gelenk, um schmerzende Verspannungen zu lösen….
  • Genügend, kontrollierte, Gelenkschonende Bewegung wie Schwimmen. (Der Knorpel funktioniert wie ein Schwamm, Bei Bewegung wird er zusammengedrückt/ ausgedrückt damit er sich anschliessend wieder mit der im Gelenk befindlichen Synovia vollziehen/ ausweiten kann. Die Synovia ernährt den Knorpel. Deshalb ist genügend Bewegung ohne Überlastung essentiell für die Gesundheit des Knorpels.)
  • Wärme. Bei Wärme wird die Synovia flüssiger und ermöglicht so ein besseres Gleiten im Gelenk und verbessert die Knorpelernährung. Ausserdem hilft Wärme gegen Verspannungen.
  • Homöopathie: Es gibt diverse Homöopatika die Schmerzlindernd und unterstützend wirken
  • Unterstützenden Therapien: Es gibt eine Vielzahl an unterstützenden Therapie wie z.B. Laser, Magnetfeldtherapie, Massage, Blutegel, Taping….
  • Operationen: Je nach Tierart und Ort der Arthrose gibt es die Möglichkeit ein künstliches Gelenk einzusetzen oder Goldimplantate zu setzen, welches die Schmerzweiterleitung vermindern sollen.

Bei allem gilt, desto früher eine Arthrose erkannt und Behandelt wird, desto grösser sind die Chance auf ein möglichst langes Schmerzfreies Leben.